Mukoviszidose e.V. Leipzig

13. Leipziger Mukolauf am 11.09.2022

Bakterien

Bakterien kommen natürlicherweise überall in der Natur vor. Sie gehören zu unserer Umwelt, können aber auch krank machen. Ihre Vermehrung kann meistens durch Antibiotika verhindert und Infektionen damit beendet werden. Allerdings entwickeln Bakterien immer häufiger Strategien, um sich gegen Antibiotika zu schützen (sie werden resistent). Manche Bakterien können sich sogar Desinfektionsmitteln widersetzen.


PSEUDOMONAS AERUGINOSA

Der häufigste Keim, der in den Atemwegen bei Mukoviszidose vorkommt, ist Pseudomonas aeruginosa. Pseudomonaden findet man vor allem in feuchter Umgebung, insbesondere in feuchten Biotopen und stehendem Wasser, aber auch in der Lunge des Menschen.

Sie können von Mensch zu Mensch übertragen werden, weswegen in Kliniken darauf geachtet werden muss, Pseudomonas aeruginosa-positive Patienten von anderen Mukoviszidose-Patienten zu trennen. Pseudomonas aeruginosa hat die Fähigkeit, einen Biofilm zu bilden, in dem die Bakterien sich zusammenlagern und, in einer gelatineartigen Schutzschicht eingebettet, die Angriffe von Immunsystem und Antibiotika überleben.

 Frühe und akute Infektionen mit Pseudomonaden lassen sich gut mit Antibiotika behandeln. Deshalb müssen Patienten mit Mukoviszidose regelmäßig auf Pseudomonaden untersucht werden, um die Infektion früh zu erkennen und zu behandeln. Haben sich die Bakterien in ihrem Biofilm in der Lunge eingenistet, werden die Patienten meist von wiederkehrenden Infektionen heimgesucht (chronische Infektion), die durch das Auftreten von Resistenzen zunehmend schwieriger zu behandeln sind und die Lungenfunktion langfristig beeinträchtigen.


BURKHOLDERIA CEPACIA-KOMPLEX (BCC)

Bakterien des Burkholderia cepacia-Komplex (BCC) sind Biofilm-bildende Feuchtkeime und natürlicherweise gegen viele Antibiotika unempfindlich. Außerdem erwerben sie leicht weitere Resistenzen, wodurch multiresistente Formen vorkommen können. Bakterien des BCC kommen im Erdreich vor, besonders im Wurzelbereich bestimmter Pflanzen. Der BCC umfasst eine Gruppe von mehreren genetisch ähnlichen Bakterienspezies. Bakterien des Komplexes kommen bei Patienten mit Mukoviszidose sehr viel seltener vor als Pseudomonaden, aber der Verlauf der Infektion kann deutlich schwerer sein und ist oft schlechter zu behandeln. Dies gilt aber nicht für alle Spezies des BCC gleichermaßen. Für Mukoviszidose-Patienten bedeutsam sind vor allem Burkholderia (B.) multivorans, B. cenocepacia und B. dolosa. Diese Bakterien können unter Umständen das sogenannte Cepacia-Syndrom auslösen, eine akute Verschlechterung der Lungenfunktion mit lebensbedrohlichen Komplikationen. Nach Lungentransplantation können B. gladioli und B. cenocepacia zu schweren Infektionen führen.


STAPHYLOCOCCUS AUREUS

Staphylokokken sind kugelförmige Bakterien, die in der Umwelt und auch bei gesunden Menschen natürlicherweise auf der Haut und Schleimhaut vorkommen. Staphylococcus (S.) Aureus ist ein sehr widerstandsfähiger Keim und kann auch in trockenem Staub oder auf Oberflächen monatelang überleben.

S. aureus ist der häufigste Keim bei jungen Mukoviszidose-Patienten und wird später meist von anderen Keimen, vor allem Pseudomonas aeruginosa „abgelöst“. Die Infektion mit S. aureus kann ohne Symptome verlaufen, sie kann bei Mukoviszidose-Patienten aber auch zu vermehrtem Husten mit eitrigem Auswurf (Sputum) führen und, eher selten, schwere Lungenentzündungen verursachen.

Nicht resistente S.aureus werden auch als sogenannte Methicillin-sensible S. Aureus (MSSA) bezeichnet: Sie lassen sich durch Antibiotika meist gut behandeln. Allerdings kann auch eine Infektion mit MSSA chronisch werden und die Lungenfunktion langfristig beeinträchtigen.


MRSA: RESITENTE STAPHYLOKOKKEN

Eine besondere Form des Bakteriums Staphylococcus Aureus ist die Methicillin-resistente Form (MRSA). Bei diesen Bakterien sind fast alle sogenannten Betalactam-Antibiotika (Penicilline, fast alle Cephalosporine und Carbapeneme) wirkungslos. Für diesen Keim stehen nur wenige Antibiotika zur Verfügung und es gelingt nicht immer, ihn zu bekämpfen. Das ist besonders problematisch, da die Ansteckungsgefahr hoch ist und dies den Umgang mit anderen Patienten erschweren kann.


WEITERE BAKTERIEN

Es gibt weitere Bakterien, die Infektionen in der Lunge auslösen können, deren Rolle bei Mukoviszidose aber bislang noch nicht geklärt ist. Dazu gehören:

  • Pandoraea (verwandt mit Burkholderia)
  • Stenotrophomonas maltophilia
  • Achromobacter xylosoxidans
  • Haemophilus influenzae (gegen Haemophilus influenzae gibt es eine Impfung, die die Ständige Impfkommission im Robert Koch-Institut (STIKO) bereits für Säuglinge im Alter von zwei Monaten empfiehlt.)
  • Pneumokokken (Gegen Pneumokokken gibt es eine erprobte Impfung, die die STIKO für Kinder bis 24 Monate, Menschen über 60 Jahre und für Menschen mit Risikofaktoren wie chronische Lungenerkrankungen empfiehlt)
  • Nocardia
  • Ralstonia pickettii
  • Inquilinus
  • Enterobakterien

 

Quellen

 

  • RKI-Richtlinie 2012: Anforderungen an die Hygiene bei der medizinischen Versorgung von Patienten mit Cystischer Fibrose (Mukoviszidose)
  • Hogardt, M., et al., 2006. MIQ 24 Atemwegsinfektionen bei Mukoviszidose, in Mikrobiologisch-infektiologische Qualitätsstandards, Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie 2006, Elsevier: Urban & Fischer: München, Jena.

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